Auf den Spuren der Heinzelmännchen Print
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Saturday, 22 November 2008 13:30

 

In einer unserer beliebtesten Führungen, „Heinzelmännchen“ für Erwachsene, werden wir Ihnen einen tiefen Einblick in eine der bekanntesten Sagen Kölns geben. Im folgenden möchten wir Ihnen einen Eindruck verschaffen, wie eine Stadtführung mit einem unsrer "Stadtstreicher" aussehen könnte.

Vor Originalskulptur der Schneiderfrau Allgemeine Einleitung: Breiterer Rahmen, der Ihnen für Ihren Zug vielleicht Anregungen gibt.- Veröffentlichung des KStM. „Heinzelmännchen. Beiträge zu einer Kölner Sage“;

Gesamtkonzept der Führung:
Wie kommt es zu einer solchen Sage?
1. über Sage, Herkunft usw.
2. über die Stadt, in der sie situiert
3. über Brunnen, in der die Sage in Stein gefasst. (vgl. Rattenfänger in Hameln; Bremer Stadtmusikanten usw.); Sage muss ja bei ihrer Beliebtheit ja wohl etwas typisch Kölsches treffen!


1.  Zum Sagentext
a. Vorkommen des Namens und Assoziationen heute:
(privat 10 Eintragungen im Telefonbuch)
Varianten: Heinze(l) (?) (gewerbliches Okkupieren)
Studentenwerk; Gebäudereinigungsfirma; Hotel
Was verbinden wir mit dem Namen? (heimlich, schnell, korrekt u. zuverlässig; immer etwas, was schnell, korrekt und problemlos bewerkstelligt werden muss) 
Vgl. hilfreiche Zwerge / Wichtelmännchen (Schneewittchen);doch auch bösartige Zwerge, Giftzwerge (Schneeweißchen u. Rosenrot; Rumpelstilzchen; in Siegfried-Sage Schatzhüter),

b. Kopischs Gedicht (1838)
Bekanntheit durch Kindergärten, Lesebücher, Kinderbücher, Stadtführer, modernere Nachdichtungen von Tilman Röhrig, Yvonne Plum u.a..; doch
kaum Einbuße für Kopisch

 

Besonders durch die sinnliche Art der Darstellung: Wechsel von trägen
Jamben zu hüpfenden Daktylen  (Vortrag: Beispiele: erste. und letzte Strophe)
                  (moderne Bilder: Münchner Bilderbogen. Hilgers S.95)
auch Tondichtung: „Heinzelmännchens Wachtparade (KStM S.86: Bild)
natürlich auch in Kölsch: Hilgers S.88; 102 und in Hänneschen—Theater,
Hilgers S.98: Vortrag einer Strophe S.99) (Hennes Berzau! als Lied im
Repertoire der Kölner Domsinge-Schule!) (Vortrag: 1. Strophe)
auch eine Parodie, eine „Anti-Heinzelmännchen“Version: „De Herstatt-
                  Männcher: (Vortrag 1. Strophe Hilgers S.92f.).

c. Der Dichter August Kopisch (26. 05. 1799 Breslau– 6. 02.  1853 Berlin))
Familie;
Schlesier: Sagenwelt: Rübezahl
Reisen u. Berufsziel: Italien; Blaue Grotte; Maler; Anstellung am Preußischen Hof in Berlin unter Kg. Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) (Heumarkt-Denkmal)
(noch vor 1848 und 1871; das Land der 31 (?) Fürstentümer
nicht politisch, sondern eher privat träumerisch:
Nebenbeschäftigung: Elfenmärchen im Biedermeierstil (s. Werke; Sengle!)

d. Die Umsetzung der Sage von Kopisch
      War Kopisch je in Köln? Wohl nicht. Da jedoch in Cölln, damals bei Berlin wohnend (heute Innenstaft), wurde Ballade auch auf diesds Cölln bezogen.
      Wie kommt er auf die Sage?
       Ernst Weyden (in: ‚Aus Coln’s Vorzeit’(1826), S. 200-202.
       Ernst Weyden (17… - 18…) als Lehrer, Sagensammler, Erzähler; bis heute 
       interessant; seine Erlebniswelt:  18. Jh. = „verlängertes MA“
 
                              e. Text von Ernst Weyden (Vortrag, vorlesen)
      Abweichungen Kopischs von Weyden (Haushalt, Kinderbetreuung)
a. Vorlage von Kopisch: die Rückübersetzung von Thomas Keightley, (Hilgers S. 30f.)
b. Vgl die Kopisch-Ballade u. Kopischs Heinzelmännchen-Zeit
      (Unterschiede: Hausarbeit)
                              Welche Berufe? Welche Berufe fehlen?
      Jetzt zufrieden? (Schule? Berufe eurer Eltern?)
      Was fehlt??? (Kinder mit Schule; noch keine Schulpflicht)

                               (mit Bildtafeln; Beschreibung der Heinzelmännchen) 

   2.      Figur der Schneiderfrau (Audioführung 313)
a. Hat sie wirklich Unglück über Köln gebracht? s. Schlüssel; Geldbeutel;
            Haare
                  Ist sie eine Eva, die uns Männer aus dem Paradies vertrieben hat?
                  (Kleidung, Mieder (Tagkleidung), Haube usw., Schlüssel, Geldborse(?),
                  haushälterisch;
Verantwortungsethik (muss sehen, dass Kasse stimmt; oft bis heute: Mann arbeitet im Handwerk; Frau erledigt Abrechnungen, lästigen Finanzkram
Was macht der Mann wohl in der Zeit?
Schneidersfrau: „Neugier“?; Verantwortung?) Wenn Mantel nicht fertig geworden wär? Wohl Abweichung der Renards von Kopisch
(mit Bildtafeln)

Zus.:Warum so bekannt, so beliebt? (Der liebste Brunnen der Kölner!)
Ja, wie kommt es, dass eine solche SDage überhaupt zu einer bestimmten Zeit entsteht und dann so bekannt und beliebt wird?
                  Köln doch im MA die größte u. reichste Stadt Dtlds („Von nix kütt nix!).
                  Anderseits doch auch wieder einen Zug der Kölner Mentalität treffend:
                  Bewquemlichkeit; Westfale morgens und Kölner morgens! Was muss ich heute..;
                  Wo gehen wir heute Abend hin? (südländisch!)- „Küste
                  hück nit, küste morje.“; Arbeide mät Spaß, ävver mer künne keine Spass vertrage.“
      
                  Aber vielleicht noch eine andere Ursache:: :
                  Der Traum von der guten, alten Zeit.
                  Unter diesem Aspekt, im Gegensätz zu Märchen: Die Heinzelmännchenzeit
                  wird ja zeitlich fixiert:


b. „Wie war in Köln es doch  v o r d e m“; „Wendezeit“ (v. HM / n. HM)
     Offizielle Zeitrechnung: v. Chr. / n. Chr; in Köln etwas anders: v.. Heinzel (v. H. / n. H.).
     Doch was heißt „vordem“? – Nach Weyden 1826: „vor fünfzig Jahren und mehr“ mündliche Überlieferung: = 1776 (Werther-Zeit); auf alles Fälle: „Bevor die Franzosen kamen“ –
     Erlebniswelt von Ernst Weyden (1805-1869). Geboren 1805 unter frz. Herrschaft
     Jetzt 21 Jahre alt; als Lehrer zwar nicht so sehr in den Strudel hineingerissen; aber
     er ein guter Beobachter, der den Wandel auch ansonsten beschreibt; später wieder
     in einem Band: „Köln vor fünfzig Jahren“; das ist dann die zeit um 1810;
                  Jedenfalls erlebt Weyden seine Zeit als eine Zeit als gewaltigen Umbruch
                  Die Heinzelmännchenzeit ist also die Zeit vor den Franzosen, vor der Frz.
                  Revolution, die alte Kaiserzeit, speziell in Köln die noch reichsstädtische zeit.
     Was veränderten denn die Franzosen? Zunächst am auffälligsten im Stadtbild die Säkularisation: Schließung der vielen Klöster; Abriss der meisten Kirchen:
     Was bedeutet das wirtschaftlich? – Ganze Berufszweige verlieren ihre Auftraggeber (Maler der Ältäre, Goldschmiede, aber auch in anderer Hinsicht waren sie Kunden.-
     Allgem Bürgerrechte; geordnetes Gerichtswesen (Vorläufer von BGB, Instanzen); Gewerbefreiheit = Aufhebung der Zünfte (Zünfte regelten zuvor Produktion nicht nur hinsichtlich Qualität, sondern auch hinsichtlich Menge, Arbeitszeit, Zahl der Gesellen, Lohn usw.); jetzt bei allgem.Bürgerrechten (wieder Zulassung von Protestanten u. Juden) sie mit kapital, Ideen, Geschäftsgründungen; damit wachsende Konkurrenz; vor allem Ablösung vielenrkleiner Familienbetriebe durch Manufakturen, Mechanisierung u. beginnende Industrialisierunbg. (Zewit der Weberaufstände in Lyon 183…, später in Schlesien 1844; Einsatz von preuß. Truppen.)
     Alles in allem: Die Heinzelmännchenzeit war vorbei.
                  
      c. Jetzt Spurensuche!!
 Beschreibung einer alten Stadt
 (Wir wollen uns jetzt Köln zur Heinzelmännchen-Zeit ansehen)
 (Tore u. Türme; kleine Häuser/Fachwerk;
 (erst recht keine Straßenbahn, keine Autos)
 (keine Züge; keine Laternen, keine elektr. Beleuchtung, dunkle Straßen, nicht nur
 nachts))
 Wir wollen uns das mal ansehen!
                         
Auf dem Weg: Wo sind Heinzelmännchen überall nicht möglich?

    3.     Modell: Rathaus / Altermarkt (Audioführung 208)

Ritterzeit nicht für Heinzelmännche  geeignet
(doch bei Siegfried-Sage Tarnkappe, wo einer für einen focht; auch ein kaum zu besiegender Zwerg)

     4.    Stadtmodell / Mercatorplanung (Köln 1571) (Audioführung 232)
      Da müssen sie noch dagewesen sein.
c. Beschreibung. Die Stadt zur Heinzelmännchenzeit.(1571)
           
     5.   Kaufmannshaus (Audioführung 123)
Keine Trennung von Wohn- und Arbeitswelt, von privatem Familienbereich und Berufswelt, von „Schule“ der Kinder  und Eltern; Frau verdient mit ihrer Arbeit mit!!

(oberes Stockwerk)

6. Bierkrüge (Geselligkeit)

7. Goldschmiedewerkstatt (Hermeling) /Audioführung 142)
Noch ziemlich gleich wie Jahrhunderte zuvor; man arbeitet allein oder zu zweit; kein Großbetrieb.
Wann beginnt man die arbeit? Wann hört man auf? Zunftwelt mit Vorschriften


     Das Ende der Heinzelmännchenzeit  / (die Zeit ab 50 n. HM“)

      8.  Dommodell / Domwinde / Motor (Audioführung 127)
            1836 Kopisch / 1842 Grundsteinlegung durch Kg. Friedrich Wilhelm IV. von Preußen
             für Weiterbau des Doms (vor gerade 165 Jahren) /Winde für 6 Männer; seit ca. 1868
             (?) (ca. 1140 Jahre) mit Motor; fertig gestellt 1880; 1881 Abriss der alten Stadtmauer
             Die ungeheure Beschleunigung: zuvor 300 Jahre Bauzeit; jetzt in 38 Jahren
             feritggestellt.
             Auch ansonsten: jetzt auf Rhein jetzt Dampfschiffe; Eisenbahn; Dampf- und
             Gasmotoren (N. A. Otto); sogar Ballonflüge!
             Jedenfalls eine ungeheure, zuvor unvorstellbare Beschleunigun; aber jetzt auch
             Petroleum-, sodann  Gas- und bald elektrische Beleuchtung: Bedeutung: Arbeit rund
             um die Uhr!!! Züge und schiffe fahren auch nachts!
             
            Und was hatte sich im Innern der Stadt gewandelt? Straßendurchbrüche:
            Wasserversorung (Kanäle); breite Straßen: Kanalisierung des Rheins, wen auch die
             ma. Stadtmauer erst 1881 abgerissen werden durfte.


 
9. Stollwerk – Stechuhr / Stempeluhr / Fließband  /Automat (Audioführung 236)
      („süß“ – „sauer“; saure Arbeit – süßer Konsum!)

10. Schule  (Audioführung 168)
Die endgültige Austreibung der Heinzelmännchen vor 100 Jahren
Kruzifix und Herrscherbildnissen: Thron und Altar: Mit Gott und Kaiser fürs Vaterland!
Bürgerliche Schule:
Jungen lernen neben Lesen, Schreiben und Rechnen auch Geographie: Wo liegen Dtlds Kolonien? (= gesehen als Dtlds Zukunft)
Mädchen lernen kochen und nähen
      Jungen werden Angestellte, Beamte, u. zuvor Soldaten;
      „Spielzeug“ = keineswegs zweckfrei, sondern Einübung in gesellschaftliche
      Funktionen; Arbeiterkinder hatten kein Spielzeug, insofern hier ein Blick auf die
      Bürgerliche Kinderwelt; Bürgertum = staatstragend: Dreiklassenwahlrecht.
      Erziehungsziel der Mädchen: die brave, haushälterische und ehrbare Ehefrau,
      Hausfrau und Mutter;
      Erziehungsziel der Jungen: der patriotisch gesonnenen Beamte oder
      Angestellte, oder studierte Techniker oder Naturwissenschaftler in Industrie,
     die aber jeweils vorübergehend „gedient“ haben = bei Militär;  s. ein Jugendbuch mit
     dem Titel: „Selbsterziehung zum Tod fürs Vaterland“. 
      s. auch das Spiel: „Die Reise ins Himmelreich“; „Schutzengel“ vor Bach, aber nicht
      vor dieser Gesellschaft, die Millionen von jungen Männern in einem Krieg, den sie
      leichtsinnig und größenwahnsinnig entfesselte, auf dem Schlachtfeld
      verbluten ließ.

      Was hat das mit Heinzelmännchen zu tun?
      Die Heinzelmännchenzeit ist rückgewandter Traum von der guten, alten Zeit;
      Auch in den zwanziger Jahren des 20. Jh.s, während Arbeitslosigkeit und Inflation,
       haben wir wieder einen Traum von einer  „gute, alte Zeit“.(= jetzt die Kaiserzeit);
       heute auch wieder eine „gute, alte Zeit“ = 60er / 70er Jahre ?
       Sehr wahrscheinlich die Konstruktion einer „guten, alten Zeit“ jeweils eine Reaktion
       auf die wachsende Beschleunigung unsere gesellschaftliche  Entwicklung.  

11. Arbeiterküche (Audioführung 109)
Arbeits- u. Wohnküche hier wieder als Einheit (nicht nebenan im bürgerlichen Salon); aber Mutter als vielseitige geforderte Hausfrau, ohne Magd, wie im MA; Vater in Fabrik; Mutter arbeitet als Hausfrau ohne Lohn oder ohne eigene Einnahmen durch Gewerbearbeit.

 

Weg zum Heinzelmännchenbrunne

12. Heinzelmännchenbrunnen
            a.   Verkappter Denkmalstreit in Köln
            b.   Städtischer Verschönerungsverein; dunkle Ecke sollte verschönert werden;
                  sollte Brunnen sein
            c     Brunnen in Köln: öffentliche Wasserversorgung; das Erlebnis „Plätschernde
                   Brunnen“/Jan von Werth; Hermann-Josef; St. Peter-Brunnen (Drügge Pitter);
                         Wilhelm I. am Kaiser-Wilhelm-Ring; Vater-Rhein-Denkmal)
                         Auch Zoo und Flora
                         Das Thema: nicht gerade aktuell
                    d.  Die Ausführung: Die Handwerke, die Meister u. Gesellen u. die
                         Heinzelmännchen; Rückwand sollte ursprünglich Stadtmauer mit Zinnen sein.
                         Als Denkmal aufgestellt wurde, stand nicht nur Dom, sondern auch
                         Hauptbahnhof m. Rheinbrücke usw.; in Kalk, Deutz, Bayenthal und Ehrenfeld
                         Fabriken; Köln hatte etwa 500 000 EW.(?).
                         Soziale und wirtschaftliche Entwicklung seit 1794 und 1815

                     e Die Einweihung: Kaum zuschauer: Die standen alle unten am Rhein, weil dort
                        an demselben Tag ein kaiserliches Topredoboot ankam.

          f.Die Rückseite des Brunnens. Der Verschönerungsverein hatte den Auftrag
gegeben zum 100.Geburtstag  von Kopisch; >Vater du Sohn Renard konnten sich doch wohl nicht mit dem Gedanken vom Traum nach der guten alten Zeit identifizieren. Wer wollte noch in den alten, dunklen Fachwerkhäuschen leben, wer sich nicht an Elektrizität und fließendem Wasser freuen? Den Arbeitern ging es bis 1918, der Einführung des Achtstundentags noch weiterhin schlecht; aber der Verschönerungsverein war ein Bürgerverein, und die „Bürger“ – Kleinunternehmer, Beamten Angestellten gingen schon einer schöneren Zeit entgegen.