| 2 ½ Tage in Köln: ein Einstieg – aber wie? Zugleich ein Überblick |
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| Friday, 21 November 2008 11:25 | |||
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Schön, dass Sie sich ein Wochenende für Köln nehmen. Und wenn Sie zum ersten Mal Köln besuchen, sollte der Kurzurlaub schon von Freitagmittag bis Sonntagabend reichen. Zwar ist Köln von seiner mittelalterlichen Stellung als größte deutsche Stadt heute auf Platz vier zurückgefallen, nach Berlin, Hamburg und München, aber die zeitliche Tiefendimension über mehr als zweitausend Jahre bringt keine dieser Städte mit, bei allem, was sie bieten. Wie können Sie nun sinnvoll ein solches Wochenende füllen? Der Dom, diese großartige Kathedrale, soll irgendwann mit Muße „durchwandert“ werden. Doch bedenken Sie: Der Dom ist kein Museum, und so kann man sich in ihm auch nur außerhalb des Früh-, Mittags- und Abendgottesdienstes bewegen. Allerdings ist auch der Besuch der Sonntagsmesse ein besonderes Erlebnis. Doch ich möchte Ihnen empfehlen, die Innenbesichtigung nicht an den Anfang zu stellen, sondern den Bau vor diesem Besuch erst mehrmals von allen Seiten und zu unterschiedlichen Tageszeiten anzusehen: die beeindruckende Westfassade, vom Roncalli-Platz aus das abendlich beleuchtete Südportal, und – unbedingt im Aufstieg von der Rheinpromenade über die wunderbare Treppe neben dem Museum Ludwig – den Chor, der bereits 1322 geweiht wurde. Doch zunächst sollten Sie noch etwas Praktisches erledigen. Bei der Zimmersuche wenden Sie sich an KölnTourismus, direkt gegenüber dem Haupteingang des Doms. Dort erhalten Sie auch, wenn Sie wünschen, eine WelcomeCard, die Ihnen gegen eine einmalige Kaufgebühr vielfältige Ermäßigungen gewährt. Denken Sie während Ihres Aufenthalts an mehrere Museumsbesuche, so gibt es in den Museen eine MuseumsCard zu äußerst günstigem Preis, nochmals ermäßigt für Familien, mit einer Gültigkeit für zwei Tage – Sie sollten diese deshalb erst ab Samstag benutzen –, die Ihnen zusätzlich auch noch die freie Fahrt mit Bahn und Bus im Stadtgebiet gestattet. Fragen Sie bei Köln Tourismus auch nach weiteren Vergünstigungen, insbesondere für Familien mit Kindern. Anschrift: KölnTourismus:GmbH Unter Fettenhennen 19 50667 Köln Tel.: +49(0)221-221 223 32 oder 236 54 www.koelntourismus.de
Freitagnachmittag und -abend Sie könnten am Freitagnachmittag mit einem Blick auf die viereinhalb Jahrhunderte des römischen Köln beginnen. Ich schlage demgegenüber vor, zunächst einen generellen Überblick über die abwechslungsreiche Stadtgeschichte zu suchen. Vielleicht finden Sie in dieser Hinsicht etwas Einschlägiges in den Angeboten der verschiedenen Stadtführungsagenturen. Prospekte liegen aus bei KölnTourismus. Ich selbst biete zu bestimmten Terminen eine entsprechende Führung über die Agentur Inside Cologne an, für geschlossene Gruppen auch privat zu Wunschterminen: Von Agrippina bis Zeppelin, gewissermaßen eine Art Zeitreise von der römischen Zeit bis in unsere Gegenwart. Am anschließenden Abend könnten Sie eine Kölsche Gaststätte besuchen; direkt im Anschluss an meine Führung etwa das urige Päffgen in der Friesenstraße, wo Sie nicht nur Touristen antreffen, oder – in der Altstadt – eines meiner Lieblingslokale: das Gaffelhaus am Altermarkt. Studieren Sie die kölsche Fooderkaat; vielleicht sind Sie auch neugierig auf etwas Ungewohntes.
Samstagvormittag Während der Preußenzeit lesen Sie auf Poststempeln und Ansichtskarten oft „Coeln a. Rhein“. Ein Kölln bei Berlin war den Preußen vertrauter, und so musste durch die amtlich auferlegte Schreibung mit „C“ unterschieden werden. Köln und der Rhein bildeten immer schon eine Einheit; eben am Rhein gründeten die Römer Köln, und wenn man Köln besucht, sollte man auch immer wieder den Rhein in den Blick nehmen. Er lässt sich an Länge zwar nicht mit dem Nil, dem Jangtse oder der Wolga vergleichen, ist aber immerhin als Deutschlands größter inländischer Strom die Kölner Lebensader und verbindet die ehemalige Hansestadt nicht nur mit Süddeutschland, Frankreich und der Schweiz, sondern vor allem mit den Niederlanden und England, eben mit dem Meer. Deswegen ein etwas ungewöhnlicher Vorschlag für den Samstagmorgen: Lösen Sie sich im Hauptbahnhof eine Fahrkarte nach Köln-Deutz. Zwar nur eine kurze Fahrt über die Hohenzollernbrücke, aber sie lernen auf diese Weise den Bahnhof, den größten Verkehrsknotenpunkt in Westdeutschland, kennen, den täglich über 1000 Züge passieren. Seit 2000 findet man in seinen Colonaden an die 70 Geschäfte, Cafés und Restaurants. Ein rechtsrheinisches Köln gibt es übrigens erst seit den Eingemeindungen von 1888. Zuvor war Deutz, nachdem Köln seinen Erzbischöfen das Herrschaftsrecht über die Stadt strittig gemacht hatte, als – zum Kurfürstentum Köln gehörend – Feindesland, und Alt-Kölner haben bis heute eine Aversion gegen die „schäl Sick“, trotz günstigerer Mietpreise, der Nähe zum Naherholungsgebiet und aller Bemühungen der Stadtverwaltung, diese mentale Grenze durch Attraktionen zu überwinden. Die Deutzer Seite ist durch die sinnvoll am Rhein gelegene Köln Messe bestimmt. Ihre Anlage verdankt Köln, wie so vieles andere, der sechszehnjährigen Amtszeit Konrad Adenauers als Oberbürgermeister, von 1917 bis 1933, als er von den Nazis abgesetzt wurde. Aber das nur nebenbei. Sie steigen am Deutzer Bahnhof aus. Von hier fuhren die Transporte der KZ-Häftlinge aus dem Sammellager auf der Messe 1942 – 1944 in die Vernichtungslager. Heute verläuft hier die rechtsrheinische ICE-Strecke. Wenn das Wetter schön ist, können Sie jetzt zunächst auf der Deutzer Seite einen halbstündigen Spaziergang an den alten Messegebäuden entlang bis in den Rheinpark machen. Kommen Sie dem Rhein nahe, so riechen Sie vielleicht schon das Meer. Im Winter besuchen uns ohnehin die Möwen. Vor dem Stadtzentrum ist der Rhein heute durch seine Kanalisierung sehr eng geführt, aber von Deutz aus nach Norden weitet er sich wieder. Sie kommen zurück zur Hohenzollernbrücke, und seit 2005 haben Sie jetzt die Chance, vom Triangel-Turm aus Köln von oben zu sehen. Zuvor stieg man auf den südlichen Domturm. Das können Sie auch heute noch. Aber der Triangel-Turm bietet Ihnen demgegenüber direkt mehrere Vorteile. Bei der Dombesteigung versperrt Ihnen der Nordturm den Blick auf die Nordstadt. Dazu sehen Sie von dort aus vom Dom selbst nur die Dächer Und nicht unerheblich: Sie müssen im Triangel-Turm nicht erst 509 enge Stufen hochsteigen, sondern werden für 3.- € die 536 Stufen per Lift hochgefahren; sie erhalten sich somit Ihre Energie für den Nachmittag. Vom Triangel-Turm sehen Sie also jetzt das ganze, großartige Stadtpanorama, das morgens nicht im Gegenlicht liegt, sondern u. U. von der Sonne im Osten angestrahlt wird. Von hier oben können Sie jetzt wunderbare Aufnahmen machen.– Den Rückweg nehmen Sie zu Fuß entweder über den südlichen Fußgängersteig der Hohenzollernbrücke oder, besser, über die Deutzer Brücke. Gehen Sie an der Rheinpromenade entlang, so finden Sie hinter der kleinen Kirche Alt-St. Heribert die Reste zweier Festungstürme des Castrum Divitensium, das Konstantin d. Gr. mit dem Bau der ersten festen Rheinbrücke 310 anlegen ließ. Von der Rheinterrasse und der Brücke können Sie nochmals in der langsamen Annäherung das Rheinpanorama genießen. Wieder auf der „echten“ Kölner Seite angelangt, bleibt Ihnen nun bis zur Mittagszeit die Gelegenheit, ein wenig durch die Altstadt zu bummeln, im Sünner im Walfisch in der Salzgasse einen Imbiss zu sich zu nehmen, vom Altermarkt zum Rathausplatz hochzusteigen, wo Sie nicht nur den Ort des Prätoriums, des römischen Statthalterpalastes, betreten, sondern auch die Geburtsstätte des Eau de Cologne von Johann Maria Farina finden. (In der Tat war Köln im 18. Jahrhundert die europäische Stadt des Parfüms.) Oder Sie denken etwa später, beim Passieren des Gürzenich, auch schon an ein Mittagessen in der Malzmühle. Als Bill Clinton 1999 Köln besuchte, wollte er hier, an der Südseite des Neumarkts, eine Kölsche Gaststätte kennen lernen. Zuvor aber sollten Sie noch zwei Stops ganz in der Nähe einlegen, die bei Standard-Stadtführungen – wenn Sie eine solche am Nachmittag buchen sollten - sehr selten berücksichtigt werden: das romanische Overstolzenhaus der mächtigsten Kölner „Patrizier“-Familie in der Rheingasse, und sodann die Kirche St. Maria im Kapitol, eine höchst bedeutsame romanische Stiftskirche, die, wie der Name anzeigt, auf den Fundamenten des Kapitolinischen Tempels für Jupiter, Juno und Minerva, des Haupttempels der Römerstadt, errichtet wurde.
Samstagnachmittag Ich hoffe, dass Sie mit Ihrem Mittagessen in der Malzmühle zufrieden waren. Was nun am Nachmittag? Wo liegen Ihre Interessen? Lieben Sie Museumsbesuche, dann bietet Ihnen Köln eine ganze Palette von Möglichkeiten: Sie reicht vom Römisch-Germanischen Museum über das Kölnische Stadtmuseum, das Wallraf-Richartz-Museum mit den mittelalterlichen Altären über Rembrandt und Rubens bis zu Monet und Cezanne, das Museum Ludwig mit der Kunst ab 1900. Hier finden Sie also die Expressionisten, Picasso, vor allem eine große Sammlung der amerikanischen Pop Art. Dann gibt es noch das Kolumba Diözesan-Museum (darüber sollte man nicht die Domschatzkammer und das Schnütgen-Museum vergessen), sodann das zwar kleine, aber sehr schöne Museum für Ostasiatische Kunst, ferner das Museum für Angewandte Kunst und, als ein kleines Museum mit jedoch interessanten Wechselausstellungen, das Käthe-Kollwitz-Museum. Zudem ist Köln auch immer noch eine Stadt mit -zig Galerien. Etwas ganz anderes bieten das Imhoff Schokoladen-Museum, das Deutsche Sport- und Olympia-Museum, das zurzeit wegen Umzugs nicht geöffnete Rautenstrauch-Joest- oder Völkerkunde-Museum, und natürlich auch das Karnevals-Museum. Bedenken Sie, dass Museen am Wochenende oft erst um 11 Uhr öffnen und um 17 Uhr schließen, dazu montags – außer dem Diözesan-Museum – durchweg geschlossen sind. Aber vielleicht heben Sie sich die Museumsbesuche für Ihren nächsten Besuch auf – und dann auch nur zwei oder drei –, und ebenso die Innenbesichtigung der einzigartigen romanischen Kirchen Kölns, der Sancta Colonia.
Sonntag Wie immer Sie sich am Samstag entschieden haben: Sie werden von meinen Vorschlägen manches auf heute verschieben, manche fallen gelassen haben, vor allem, wenn Sie am Samstagnachmittag noch die sonntags ziemlich trostlosen Geschäftsstraßen besucht haben. Sie könne auch etwas die Zeit raffen, indem Sie eine Stadtrundfahrt per Bus buchen. Diese bieten sich an als Einstieg der Stadterkundung, aber auch – meines Erachtens sinnvoller –, indem Sie Ihre bisherige Erfahrung jetzt in einen größeren Zusammenhang gerückt bekommen. Bus-Führungen werden im Allgemeinen zweisprachig, in Deutsch und Englisch, durchgeführt. Treffen Sie auf eine ausschließlich deutschsprachige Bus-Führung, haben Sie natürlich mehr Informationen. Für solche soliden Überblicke bieten sich die Fahrten von KölnTourismus an. Seit einigen Jahren gibt es auch einige Anbieter, die entsprechend dem Prinzip hop on, hop off erlauben, an bestimmten Haltestellen aus- und zu späterer Zeit an einer anderen wieder einzusteigen. Das Ticket gilt hier für den ganzen Tag. Man kann auf diese Weise nach eigenem Wunsch bestimmte innerstädtische Stadtteile, Museen oder auch den Zoo mit der Flora erkunden. Wenn Sie am Sonntagvormittag einen Blick in den Dom werfen wollen, vielleicht etwas für den Nachmittag. Etwas geruhsamer ist – zumal bei Hitze, Schwüle oder Regen – eine Rundfahrt mit einem Boot auf dem Rhein. Sie können sich nochmals – jetzt vom Wasser aus – an dem Stadtpanorama von Mülheim bis Rodenkirchen erfreuen. Sie sehen: Die Palette ist groß und bunt; nach dem Motto: „Jedem Dierche sing Pläsierche.“ Ein Wochenende in Köln ist schnell vorbei. Nach diesem ersten Überblick werden Sie wissen, was Sie bei einem zweiten Besuch angehen wollen. Vielleicht kommen Sie wieder. Doch behalten Sie Köln in guter Erinnerung. Abschließend möchte ich Ihnen jedoch noch einige Titel als vorbereitende oder begleitende Lektüre empfehlen, die sich bewährt haben; natürlich in subjektiver Auswahl. Sie finden diese Titel und auch weitere bei KölnTourismus angeboten:
Allgemein: Detlev Arens: Köln, mit Drachenfels, Brühl, Zons, Altenberger Dom. 4., aktualisierte Aufl. 2008 (Dumont Reise Taschenbücher)
Köln in seinen Sagen: Yvonne Plum: Kölner Sagen und Geschichten. 3. Aufl. 2004. Yvonne Plum: Geister, Teufel, arme Seelen. Das gruselige Köln zu Fuß.
Zum Dom: Arnold Wolf: Der Dom zu Köln. 5., überarbeitete Aufl. 2008.
Sollten wir mit diesem kleinen Wochenendtrip-Planer Ihr Interesse geweckt haben, schauen Sie doch mal in unser Angebot von interessanten Stadtführungen, bei denen sicherlich auch für Sie etwas spannendes dabei ist.
Mit den Wünschen zu einem schönen Wochenende in Köln, Ihr Stadtstreicher, Dr. Helmut Meyer live vom Eigelstein in Köln. “Wä mich nit kennt, dä kennt Kölle nit”
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